Vor gut einem Jahr erhielt ich die Nachricht, dass ich den Zuschlag für die Wohnung in Frankfurt bekomme, für mich war es eine Art Erlösung nicht mehr pendeln und um 4:45 h aufstehen zu müssen und generell mehr Lebensqualität zu haben. Ich komme aus einer hessischen Kleinstadt ca. 45 km von Frankfurt am Main entfernt, mit dem Auto erreicht man Frankfurt teilweise auch in gut 45 Minuten, mit dem Zug ist man allerdings meistens bis zu 1,5 Stunden unterwegs.

Die Familie lebt in meiner Heimatstadt, der Freund in Bayern ich nun allein in Frankfurt, aber es ging nicht mehr, es war eine Qual, jeden morgen so früh aufzustehen und so spät heim zu kommen, ich hatte auf nichts mehr Lust, keinen Sport, einfach auf nichts. Ich war unausstehlich, es gab oft Streit und am Wochenende durfte man mich kaum ansprechen oder gar etwas von mir fordern oder erwarten, alles wurde zu viel, also zog ich die Notbremse und entschied mich für den Umzug.

Man muss dazu sagen, dass ich seit dem Jahr 2000 pendel, erst in die Schule 35 km weit entfernt, dann zur Arbeit im Freiwilligen Sozialen Jahr und auch während meines Studiums in Frankfurt, habe ich von sieben Jahren auch nur zwei Jahre in Frankfurt gewohnt, die restlichen Jahre bin ich zum studieren und arbeiten immer zwischen der Kleinstadt und Frankfurt hin und her gependelt. Dabei gab es natürlich mehr Pausen, wenn man regulär Vollzeit arbeiten geht, gestaltet es sich schon anders.

stadt und land

Ich wohnte in meinem Heimatort auf ca. 90 qm, in einer Privatstraße mit traumhaften Blick über die Stadt, es war sehr ruhig, ich hatte eine gute Nachbarschaft und im gleichen Haus den Stiefopa über mir. Jetzt wohne ich in einem Mehrfamilienhaus, mit einer sehr lauten, unmöglichen Familie über mir, die sich ständig streitet, der Vater rund um die Uhr betet (auch Nachts um 4.00h). Ich habe mich schon beim Vermieter beschwert, da ich fast nur noch mit Ohropax schlafen kann. Ich probiere darüber irgendwie hinweg zu sehen, was mir nicht immer leicht fällt, da vermisse ich meine ruhige, alte Wohnung schon manchmal.

Meine Wohnung befindet sich im Stadtteil Eckenheim, ca. 15 Minuten von der Innenstadt von Frankfurt entfernt, auch zur Autobahn braucht man nur wenige Minuten, Bäcker, Supermärkte kann man zu Fuß erreichen, das Fitnessstudio ist mit dem Fahrrad nur fünf Minuten entfernt. Man hat hier viele Parks und auch Felder, daher kann man sagen, auch hier eine große Lebensqualität.

Ich liebe an der Großstadt, dass man eigentlich alle Möglichkeiten hat, etwas zu machen, es wird einem nie langweilig. Seit ich in Frankfurt wohne, schlendern wir jeden Samstag durch die Stadt und testen uns durch unzählige Burgerrestaurants, Bars und Cafes. In einer Großstadt, hat man einfach eine riesige Auswahl an Restaurants, sodass man nicht wie in einer Kleinstadt, fast immer in die gleiche Bar gehen muss. Feste, Museen und natürlich das Thema Shopping stehen ganz weit oben!

Auf dem Land, bzw. in einer Kleinstadt ist man beim Thema Shopping beschränkt. Als in meiner Heimatstadt, dass einzige Kaufhaus schloss, musste man teilweise bis zu 15 km weit fahren, um z.B. Drucker Papier und andere Dinge zu besorgen, was ich immer ziemlich nervig fand, als ich Architektur studiert habe, war es immer eine Katastrophe, wenn Modellbau Material ausging. Daher weiß ich den Luxus der Großstadt zu schätzen. Zusammengefasst, in einer Großstadt, bekommst du zu 90 %, dass was du brauchst, ohne große Komplikationen! Ich genieße es auch, das Auto stehen lassen zu können und gemeinsam mit meinem Freund ein paar Cocktails zu trinken, ohne 2 km nach Hause laufen zu müssen.

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Es hat alles seine Vor- und Nachteile, es gibt natürlich auch Menschen, die nicht gerne shoppen, die nicht gerne in eine Bar gehen und sich eher nach Ruhe sehnen. Ich vermisse oft die Ruhe, wenn ich zum Beispiel ausschlafen will, gerade in diesem Moment poltert es über mir, dass ich am liebsten einmal laut schreien würde.

Der Vorteil am Landleben oder auch in einer kleinen Stadt ist, dass man sich kennt und nicht in der Anonymität der Großstadt verloren geht. Man kennt die Nachbarn, hat eine Familie vor Ort und doch mehr eine Zusammengehörigkeit. Vielleicht liege ich mit meiner Meinung und Erfahrung auch falsch, da ich zugezogen bin und gebürtig aus einer Großstadt komme. Die kurzen Wege erleichern einem teilweise auch das Leben, wenn man in einer Kleinstadt lebt, auf dem Dorf, gestaltet sich es schon schwieriger, wenn es zum Beispiel keinen Bäcker oder Supermarkt gibt.

Ich stelle allerdings auch fest, dass die Wege untereinander in einer Großstadt oft genauso lange dauern, als wenn ich von meinem Heimatort nach Frankfurt gefahren bin. Als ich letztens meinen Zeh verletzt habe, dachte ich schon, ich müsste bis ans andere Ende der Stadt fahren, da wäre ich gut 45 Minuten unterwegs gewesen. Schnell am Ziel, ist man hier nicht unbedingt. In solchen momentan habe ich mir meinen Heimatort zurück gewünscht, wo das Krankenhaus nur 5 Minuten entfernt war.

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Ganz auf dem Land leben kann ich nicht, die Erfahrung mache ich regelmäßig, wenn ich bei meinem Freund bin, spätestens nach einem Tag, fällt mir so die Decke auf den Kopf, da ich mich oft wie eingesperrt fühle. Ich brauche die Freiheit in den nächsten Supermarkt zu laufen und nicht immer auf das Auto angewiesen zu sein. Das hört sich für den ein oder anderen auch wieder komisch an, der es vielleicht gar nicht anders kennt, da er sein lebenlang auf dem Land lebt. Ich glaube aber auch, dass ein Leben für Kinder auf dem Land oder in einer kleineren Stadt schöner ist. Als ich mit meiner Nichte und meinem Neffen mit Kinderwagen durch Frankfurt musste, in die U-Bahn mit zwei mal umsteigen habe ich wirklich Schweißperlen auf der Stirn gehabt.

Auch wieder hier hat die Kleinstadt, bzw. das Landleben einen großen Vorteil, die Mieten sind deutlich niedriger, als in einer Großstadt, wie gerade in Ballungsräumen, wie das Rhein-Main-Gebiet. Ein Haus in Frankfurt kann ich mir mal definitv nicht leisten und das, obwohl ich selbst Architektin bin und somit auch studiert habe, selbst Eigentumswohnungen sind unheimlich teuer.

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Ich lebe gerne in der Großstadt und kann mir höchstens ein leben in einer etwas kleineren Stadt, die in der absoluten nähe einer Großstadt ist, vorstellen. In der heutigen Zeit, ist wohnen in der Stadt und auch mittlerweile in der Umgebung Luxus, ich hoffe, dass ich mir diesen Luxus der Freiheit, weiterhin gönnen kann.