Die Zeit rennt so gnadenlos, am 10. Dezember kam der Umzugswagen, von dem Tag an, war ich erst einmal ein wenig „Heimatlos“, mein Leben in zig Kisten gepackt und erst einmal zurück in Mamas Arme (was sehr schön war). Dort wurde ich verwöhnt und konnte mich von den Strapazen des Umzugs erst einmal erholen, die Weihnachtsgeschenke wurden online bestellt, da mir einfach für vieles die Kraft gefehlt hatte, der Umzug war anstrengender als gedacht. Am zweiten Weihnachtsfeiertag suchte mich ein gemeiner Norovirus heim, der mich schlagartig erst einmal ins Krankenhaus katapultierte, als Schwangere konnte ich auf keinen Fall zu Hause bleiben und wurde im Krankenhaus erst einmal wieder richtig aufgepeppelt. Kurz darauf war der Tag gekommen, an dem ich von meiner Familie abschied nehmen musste, weg aus Mamas Armen, in ein neues Leben ins ca. 400 km entfernte München.

Und ich fange schon wieder an zu heulen, weil ich so unendlich traurig bin, dass ich mein altes Leben, meine Familie hinter mir lassen musste, um ein neues Leben in einer fremden und großen Stadt  (viel größer als Frankfurt), zu beginnen. Hochschwanger, nur den Partner, keine Familie in einem anderen Bundesland, in einer anderen Stadt, ich hessisches Mädchen wollte nie nach Bayern, aber im Leben kommt einfach immer alles anders als geplant, jetzt sitze ich hier im kalten München. Der Start war nicht leicht, das Kinderzimmer nicht fertig, mein Leben in Kisten gepackt, teilweise noch nicht auffindbar und von Heimweh geplagt, dazu kommt natürlich der Winterblues mit meinem sinkenden Vitamin D Spiegel, der mir das Leben auch nicht gerade erleichtert.

Die ersten Wochen war sehr hart, München ist eine wunderschöne Stadt, die mir aber irgendwie nicht das Gefühl gab, mich mit offenen armen zu empfangen, zu volle U-Bahnen, teils unhöfliche Menschen, die einen in der U-Bahn anrempeln und nicht einmal einen Sitzplatz anbieten. Ich kenne mich nicht aus, wie in Frankfurt, die Wege sind viel weiter, da die Stadt einfach viel größer ist. Dazu kommt die kleine Wohnung, in der mir meine materiellen Dinge fehlen, mein geliebtes Ankleidezimmer, Platz für Dekoration und Bilder. Ich weiß, dass es wirklich nur Kleinigkeiten sind, aber für mich ist und war das alles die letzten Wochen ein bisschen viel. Im 8. Monat umziehen, die Übergabe am Arbeitsplatz, Weihnachten, der Aufenthalt im Krankenhaus, der Tot der Oma meines Freundes im November, Geburtsvorbereitungskurs im Dezember, weg von der Familie, Dinge die man vor der Geburt noch regeln muss, die ganze Bürokratie, ein Leben in einer anderen Stadt, alles zu viel für meinen Kopf, dazu natürlich die Hormone, die regelmäßig für meine Heulanfälle verantwortlich sind.


Ich hoffe, dass sich mein Gemütszustand noch einpendeln wird, ich denke wenn das Baby da ist und endlich Frühling wird, wird es mir auch besser gehen, wir haben alle unsere Phasen, an denen es uns mal gut und mal schlecht geht, der Januar ist sowieso nicht mein Monat und ich konnte Schnee und Kälte noch nie etwas abgewinnen. Ich sage mir die ganze Zeit, wenn das Baby im Februar kommt, ist es nicht mehr lange bis März und dann ist auch schon fast Frühling und der Winter ist endlich geschafft. Es kann nur besser werden, allein wenn der Wurm auf der Welt ist und ich gerne wieder vor die Tür gehe und nicht mir meinen Popo bei -15 Grad abfriere. München ist eine so tolle Stadt, viele würden wer weiß was darum geben hier leben zu dürfen, ich brauche noch ein bisschen Zeit, mich einzugewöhnen, aber ich denke spätestens im Sommer, wenn die Biergartensaison eröffnet ist, werde ich die Stadt und das Leben hier lieben.