Man wird Jahr für Jahr älter, gerade die Dreißiger sind gnadenlos an mir vorbeigerast, dass muss ich ehrlich sagen. In den Zwanzigern war ich mit meinem Architekturstudium und zig Nebenjobs mehr als beschäftigt, damals auch hauptsächlich Single. Ich machte mir gar keine Gedanken über Kinder. Mein Abitur legte ich dank später Einschulung und einer Ehrenrunde erst mit 21 Jahren ab, danach machte ich ein soziales Jahr. Ich konnte mich mit meinem Berufswunsch mit Anfang zwanzig noch immer nicht richtig festlegen, wollte etwas mit Mediengestaltung machen, studieren oder sogar eine Ausbildung. Ich entschied mich für ein Architekturstudium. Ein sehr schweres und gnadenloses Studium, ohne Zeit für ein Privatleben. Dazu den Lebensunterhalt, den ich mir dazu verdienen musste, nach 12 Semestern hielt ich mein Diplom in den Händen und war nach jahrelangem leben als Single, das erste Mal wieder richtig verliebtich lernte meinen Ehemann kennen. Das war vor genau 10,5 Jahren.

 

Ich suchte mir einen Job und fand den schlimmsten Job meines Lebens bei einem Fertighaus Unternehmen und führte sieben Jahre lang eine Fernbeziehung zwischen Bayern und Hessen. Ich war 29 Jahre alt, als ich mein Studium beendete. Zwei Jahre später fing ich meine jetzige Stelle an und mein Mann startete sein Studium. Ein Kind kam für uns damals nicht infrage, da ich erst einmal beruflich Fuß fassen musste und mein Mann sein Studium beenden.

Und so vergingen vier Jahre, ich war mittlerweile 35, saß im Job fest im Sattel, hatte einen Teil meiner Studienschulden bezahlt, mein Mann fand Arbeit und so konnte es trotz Fernbeziehung mit der Kinderplanung losgehen. Ich machte mir darüber keine Gedanken schon Mitte 30 zu sein, ich fühlte mich auch gar nicht so. Vielleicht lag es auch daran, dass mein Mann vier Jahre jünger ist. Ich wurde nach 6 Monaten mit meinem Sohn schwanger und war über glücklich, die Schwangerschaft verlief problemlos, die Geburt leider nicht.

Für uns stand schon immer fest, dass wir zwei oder sogar drei Kinder haben möchten und so fingen wir mit der Kinderplanung nach einem Jahr nach der Geburt an. Ich war damals 37 Jahre alt. Vom Kopf und Körpergefühl bereit für ein Kind, biologisch gesehen vielleicht schon zu alt. Nach einem Jahr entschied ich mich eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.

Wenn jemand sagt, die „Biologische Uhr tickt“, dann kann ich dem Satz nur zustimmen, ab 30 Jahren sinkt die Fruchtbarkeit einer Frau bereits, mit 35 Jahren besteht die Chance einer Schwangerschaft nur noch bei 25 % und sinkt von Jahr zu Jahr. Vielleicht war die Schwangerschaft mit meinem Sohn schon ein Wunder. Die Chance Schwanger zu werden, liegt bei mir unter 10 %.

Was würde ich anderen Frauen raten?

Ich bin das beste Beispiel dafür, dass die Lebensumstände nicht immer planbar sind. Gerade wir Frauen müssen uns immer noch im Job beweisen und möchten ja auch nicht das eine Ausbildung oder ein Studium für die Tonne sind. Karriere und Kind sind manchmal nicht ganz so vereinbar, man muss sich dennoch fragen, was man im Leben will. Wenn man ein gutes Fundament hat, einen Partner und Kinder möchte, sollte man es nicht zu lange auf die Bank schieben. Ich würde mir bei der Gynäkologin meinen AMH Wert untersuchen lassen, damit man sehen kann, wie hoch die ovarielle Reserve ist. Wenn man genug Geld hat, vielleicht sogar Eizellen einfrieren lassen.

Wir schieben gerne alles vor uns hin, möchten noch dies erleben, in den Urlaub fahren usw. Nur dieses schieben der eignen Wünsche, kann verursachen, dass es für ein Kind dann doch zu spät ist. Es muss nicht bei jeder Frau der Fall sein, natürlich gibt es auch Frauen, die ohne Probleme mit Ende 30 oder sogar mit Anfang 40 schwanger werden.